Warum „Wir testen das erstmal“ keine Strategie ist.
„Wir testen das erstmal.“
Dieser Satz klingt offen.
Neugierig.
Fortschrittlich.
Und genau deshalb bleibt er oft unwidersprochen.
Doch im digitalen Alltag, besonders beim Einsatz von KI – ist „testen“ ohne Rahmen keine Strategie.
Es ist eine vertagte Entscheidung.
Testen klingt harmlos – ist aber nicht neutral
Natürlich darf Technik ausprobiert werden. Niemand muss sofort alles perfekt planen
Problematisch wird es, wenn drei Dinge fehlen:
ein klares Ziel
ein definierter Zeitraum
eine Entscheidung danach
Ohne diese Punkte entsteht kein Test.
Es entsteht ein Zustand.
Ein neues Tool kommt dazu.
Ein paar Mitarbeitende probieren es aus.
Ergebnisse werden weitergeleitet.
Andere springen auf.
Und irgendwann stellt jemand fest:
„Irgendwie bringt es uns nichts.“
Was beim „Testen“ oft übersehen wird
Jede Einführung, auch eine probeweise, verändert Arbeitsabläufe.
Daten werden eingegeben.
Ergebnisse werden gespeichert.
Informationen werden weitergegeben.
Entscheidungen basieren auf Vorschlägen.
Das ist nicht neutral.
Das ist bereits Integration.
Wenn vorher nicht geklärt wurde, wofür ein Tool eingesetzt werden soll und wofür ausdrücklich nicht, verlagert sich Verantwortung unbemerkt.
Nicht an die Technik.
Sondern ins Unklare.
Testen braucht Kriterien
Ein echter Test beantwortet vorab drei Fragen:
Woran erkennen wir, ob es sinnvoll ist?
Wer entscheidet am Ende über Weiterführung oder Abbruch?
Was bleibt bewusst außen vor?
Ohne diese Kriterien bleibt „testen“ ein Dauerzustand.
Und Dauerzustände erzeugen Unruhe.
Führung zeigt sich vor der Einführung
Digitale Souveränität beginnt nicht beim ersten Prompt.
Sie beginnt vor der ersten Freigabe.
Führung im Umgang mit KI heißt:
Tempo nicht mit Fortschritt zu verwechseln
Möglichkeiten nicht mit Notwendigkeit zu verwechseln
Offenheit nicht mit Beliebigkeit zu verwechseln
Nicht alles, was technisch möglich ist, muss im Arbeitsalltag Platz finden.
Manchmal ist die souveränste Entscheidung:
Noch nicht.
Oder: Nicht hier.
Oder: Nicht so.
Klarheit vor Tempo
KI kann Prozesse beschleunigen.
Aber Beschleunigung ohne Richtung erzeugt mehr Bewegung – nicht mehr Entlastung.
Deshalb beginne ich in meiner Arbeit nicht mit Tools.
Sondern mit Fragen.
- Wofür genau soll KI bei euch unterstützen?
- Welche Entscheidung fehlt gerade?
- Wo würde ein klarer Standard sofort Ruhe bringen?
Erst wenn das geklärt ist, wird Testen sinnvoll.
Alles andere ist Aktivität.
Aber keine Strategie.
Wenn du merkst, dass bei euch nicht die Technik das Problem ist, sondern die fehlende Entscheidung, dann lohnt sich ein Schritt zurück.
Digitale Souveränität zeigt sich nicht darin, wie viel wir ausprobieren.
Sondern darin, wie bewusst wir entscheiden.
